Mittwoch, 13. April 2016

effektiver Altruismus und die Künstler/effective altruism and the artists


english below

Ende März stand in der Zeitung „der Freitag“ ein Interview mit dem englischen Philosophen William Mac-Askill, der offenbar einer der Vor- und/oder Nachdenker einer Bewegung ist, die sich effektiver Altruismus nennt. Einer seiner Kerngedanken lautet, dass es viel sinnvoller ist, das eigentliche Helfen an den Brennpunkten der Welt professionellen Helfern zu überlassen und selbst dafür zu sorgen, soviel Geld wie möglich zu verdienen, um davon so viel wie möglich spenden zu können. 
Die Bewegung organisiert sich u.a. hier:  https://www.givingwhatwecan.org/
Echter englischer Pragmatismus!
In dem Interview geht es auch kurz um Künstler. Mac-Askill wird gefragt: „Sie raten, Berufe zu ergreifen, bei denen man möglichst viel Geld verdienen kann, um mehr spenden zu können. Was bedeutet das für Künstler oder generell Berufsgruppen, die schlecht bezahlt werden?“
Die Antwort: „Das könnte man sich fragen, wenn man den Gedanken durchspielt, dass alle Menschen sich am effektiven Altruismus orientieren. Das tue ich aber nicht, denn: Das wird auch nicht passieren. Würde es in einer perfekten Welt noch Künstler geben? Ja. Ist es ratsam, im Moment, so wie die Welt ist, Künstler zu werden? Eher nicht!

Das ist – eingekleidet in den symphatischen Pragmatismus am Anfang der Antwort - eine radikale These zu unserer Frage, wie es möglich sein soll, als KünstlerIn im Kapitalismus zu leben und zu agieren: Künstler sind gerade nicht gewünscht. Es gibt wichtigeres.
Für Max Scheler wäre diese Einstellung ein gutes Beispiel für den „Geist“ des Kapitalismus, der alles der Idee des Fortschritts unterstellt, oder genauer: einem mathematisierten Zweck-Mittel-Denken. Und wenn dann alle Probleme gelöst sind, darf es auch wieder Künstler geben, die zur Problemlösung nichts beizutragen haben, weil sie nicht genug Kohle machen, um spenden zu können. Hinter diesem Zynismus versteckt sich ein Menschenbild, das nach kapitalistischen Kriterien gebaut ist und in dem die Werte, die von Scheler die eigentliche Humanität ausmachen, geringgeschätzt werden.
Viel Gesprächsstoff.....




End of March there was an interview in the newspaper
der Freitagwith the English philosopher William Mac-Askill, one of the main thinker of a movement called effective altruism. One of the core idea of them is that it makes much more sense to leave the real help at the focal points of the world to professional helpers and to make as much money as possible in order to donate as much as possible.
This movement is organized for instance here: https://www.givingwhatwecan.org/
Genuine English pragmatism!
The interview comes shortly to artists. Mac-Askill is asked: "You propose to take professions where you can earn as much money as possible to be able to donate it. What does this mean for artists or other groups who are poorly paid?"
The answer: "That you can only ask if you play through the idea that all human beings are going to support the effective altruism. I do not, however, because: That will not happen. Would there be artists in a perfect world? Yes. Is it advisable at the moment, in the world as it is, to become an artist? Rather not!"

This is - dressed in the sympathetic pragmatism at the beginning of the answer - a radical thesis to our question, how it should be possible to live and to act as an artist under capitalism: artists are just not wanted. There are more important things.
For Max Scheler this setting would be a good example of the "spirit" of capitalism, which put everything under the idea of ​​progress, or more precisely: a mathematized means-end thinking. And if all the problems are solved then, it may once again be advisable to become an artist - who contribute nothing in solving the problems, because they do not make enough money to donate. Behind this cynicism hides an image of man, which is built according to capitalist criteria. The values ​​that define humanity according to Scheler, are not at all appreciated in this image.
Much to talk about.....

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen