Donnerstag, 11. August 2016

Realismus auf der Bühne?/ Reality on stage?

english below

Ein kurzer, und in seiner Kürze unfairer Kommentar zu einem Buch von Bernd Engelmann mit dem Titel "Lob des Realismus", in dem er sich mit der Frage beschäftigt, wie das Theater auf die Situation eines allgegenwärtigen Kapitalismus reagieren soll. Seine Kritik entzündet sich am postmodernen und postdramatischen Theater, das, wie er findet, eher ein Symptom als eine kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Situation darstellt. Da stimme ich ihm übrigens in vielem zu. Aber seine Kritik gilt nicht für die Performance Art! (ein anderes Thema...)
Für unsere Fragestellung der Position des Künstlers im Kapitalismus ist interessant, dass er offenbar das Theater als Fortführung der Politik mit anderen Mitteln versteht. Ganz in der Tradition Brechts und einer "dialektischen" Kunst. 
Damit bleibt er aber auch in einer, mit Scheler gesagt, kapitalistischen Logik gefangen, die sich nur auf die Verteilungsgerechtigkeit als Thema stürzt, ohne zu erkennen, dass diese Diskussion - so notwendig sie auch sein mag -  ganz in der Logik des Kapitalismus geführt wird. 
Ist das die Aufgabe des Künstlers heute? Wahrscheinlich schon. Und dennoch würde ich darauf beharren, dass die Künstler in erster Linie diejenigen sind, die ein Bild des Menschen suchen, das nicht kapitalistisch verzerrt ist. Ein fast unmögliches Unterfangen! Aber eben nicht nur für die gesellschaftliche Aufgabe künstlerischen Tuns wichtig, sondern besonders für die Entwicklung eines künstlerischen Selbstverständnisses, das autark ist - soweit eben möglich. 

Ein schönes Zitat aus seiner Auseinandersetzung mit einem Text von Kathrin Röggla "wir schlafen nicht", in dem sie Interviews mit Angestellten u.a. einer Unternehmensberatung kompiliert und zu einem Prosatext umwandelt. O-Ton Engelmann: "Nähme man diese Erzählungen für wahr, so müsste es sich um eine Gruppe von mittleren Angestellten handeln, die es alle auf ein schumpetersches Piratenschiff verschlagen hat und die nun dem Abenteurerkapitalismus hinterherfahren. Sie reden als wären sie die Freibeuter auf den Weltmeeren des Kapitals, die weder Schlaf noch Freunde kennen. In der Gegenwart ihres Messestandes sind sie jedoch gefangen in den Körpern und Kleidern des deutschen Mittelstandes...."
Das hätte Scheler, der im Freibeuter des 16. und 17. Jahrhunderts den Prototypen des Unternehmers ausmacht, sicher gefreut. Heute wimmelt es in den Unternehmen von Bourgeois, die glauben sie seien Freibeuter, oder wissen, sie müssen so tun als ob, um den Kopf über Wasser halten zu können. 
Und wir Freiberufler? 


A brief, and in its brevity unfair comment on a book by Bernd Engelmann, entitled "In Praise of realism", in which he deals with the question of how theater should respond to the situation of an omnipresent capitalism. His criticism focuse on the post-modern and post-dramatic theater, which, he finds, is more of a symptom than a critical analysis of the social situation. I agree with him in many respects. (But his criticism does not work in relation to  performance art! Another topic...)
For our question about the position of the artist in capitalism it is interesting that he apparently sees theater as a continuation of politics by other means. In the tradition of Brecht and a "dialectical" art. But, to say it with Scheler, he remains in a capitalist logic that crashes only to the distributive justice as a theme, without realizing that this discussion is still lead by the very logic of capitalism - however necessary it may be. Is that the task of the artist today? Probably yes. And yet, I would insist that the artists primarily are the ones who are looking for an image of man that is not distorted by capitalism. An almost impossible task! But important not just for the social role of artistic activity, but particularly for the development of an artistic self. 
A beautiful quote from his reading a text by Kathrin Röggla "we do not sleep," for which she has interviewed employees of a management consultancy and converts these interviews into a prose text.  Engelmann: "Taking these stories to be true, it would have to be a group of middle employees that found itsself on a Schumpeter pirate ship and that now drives behind the adventurer capitalism. They talk as if they were the buccaneers on the high seas of the capital, who know neither sleep nor friends. But in the presence of their booth they are trapped in the bodies and clothes of the German middle class .... " 
Scheler surely would have liked this idea, because he saw the bucaneers of the 16th and 17th century as the prototype for the modern entrepreneur. Todays companies is teeming of Bourgeois, who believe they were bucaneers, or who know they have to pretend so to keep their heads above water. 
And we freelancers?

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